Brandon Flowers im Huxleys
Der Mann ist der
perfekte Popstar. Und er braucht dafür noch nicht einmal seine Band The
Killers. Derzeit ist der Sänger mit seinem ersten Soloalbum
"Flamingo" auf Tour.
Wie es sich wohl
anfühlt, Las Vegas’ einziger Popstar zu sein? Dazu
müsste man in der Haut von Brandon Flowers stecken. Seit dieser
mit den Killers 2004 wie aus dem Nichts zum Weltstar aufstieg, ist der
Beau mit dem strahlenden Leidenstenor musikalischer Alleinherrscher der
Spieler-Metropole. Dass es dort abseits der Killers auch ein paar
andere Indie-Rocker gibt, hat Flowers oft genug erzählt. Letzten
Endes, so betont er, sei Vegas bloß eine Großstadt wie jede
andere auch. Dann wiederum weiß der 29-Jährige wohl selber,
dass es gewöhnlichere Flecken zum Erwachsenwerden gibt als die
Trash-Kapitale im Wüstensand, die nicht von ungefähr als
Inspiration für einige der abgründigsten Filme Hollywoods
diente.
Brandon Flowers
braucht nicht mal ins Kino zu gehen, um die Schattenseiten der
Casinostadt zu kennen. Der Vater – einst Verkäufer in einem
Lebensmittelladen – verfiel in Las Vegas dem Alkohol,
änderte sein Leben später radikal. Dafür siedelte er
samt Frau und sechs Kindern in ein Mormonen-Dorf in Utah um. Doch
Flowers kehrte schon mit 16 wieder zurück. Mit den Killers zollte
er der Sin City später des Öfteren Tribut: mit Plattentiteln
à la "Sam’s Town" nach dem gleichnamigen Casino; mit
üppigem Show-Bombast auf dem Album "Day & Age"; oder auch mit
Flowers’ Faible für Goldlamé-Anzüge, in denen
der grazile Sänger aussieht wie einer Revue im "Cesar’s
Palace" entsprungen.
Die Zeit für das definitive Las-Vegas-Album schien nun
gekommen. Doch die Band erteilte ihrem Frontmann eine Absage: Nach
sechs Jahren Dauerrackerns nehmen The Killers derzeit lieber eine
Auszeit. Nur das Aushängeschild tut sich schwer mit dem
Pausemachen. Die ursprünglich für seine Band geschriebenen
Songs nahm er folglich solo auf. "Flamingo" heißt die Platte, auf
deren Hülle Flowers mit nachdenklich gesenktem Blick in einer
nostalgisch verkitschten Hotelsuite posiert. Trauerarbeit sei die
Studiozeit gewesen, erzählt der junge Familienvater, der zu Beginn
des Jahres mit dem Krebstod seiner Mutter fertig werden musste. Von
einem intimen Solowerk aber ist "Flamingo" weit entfernt. Was allein
schon an den beteiligten Produzenten liegt: Elektro-Ästhet Stuart
Price, US-Rockveteran Brendan O’Brien sowie U2-Stammkraft Daniel
Lanois, der schon für die Stadien-Ausmaße von "Day &
Age" zuständig war. Persönliche Noten versteckt Flowers
dezent: im Albumtitel etwa, der nach der Straße benannt ist, in
der der Familienmensch einst seine spätere Ehefrau in einem
Plattenladen traf; in sakralen Tönen von Orgel und Gospelgesang,
in denen Momente des Abschiednehmens anklingen; schließlich in
vielen religiösen Motiven, von der Pilgerfahrt bis zum
Kindergebet. Konkretere Einblicke in seine Gefühlswelt aber
gewährt der Songschreiber nicht, gibt allenfalls den Mahner, der
im Synthie-verzierten Epos "Welcome to Fabulous Las Vegas" die
seelenfressende Seite seiner Heimatstadt anprangert.
Nur er selbst
wirkt dagegen immun, gibt den perfekten Popstar, der scheinbar niemals
ausbrennt. Ein bisschen Ziggy Stardust, ein bisschen Heiliger, ein
bisschen trauriger Romantiker: All das kann Brandon Flowers sein. Wenn
ihn denn jemand in schönes Bühnenlicht taucht.
[Ulrike Rechel]
Brandon Flowers, Huxleys, Fr 1.10.2010, 21 Uhr, VVK: 29,50 Euro