JOAN AS POLICE WOMAN (USA)
So 27.02.2011 | Doors 20:00h | Start 21:00h
Special Guest: THE TWO
Aufgrund der großen Nachfrage vom LIDO ins ASTRA Kulturhaus verlegt!
Bereits gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit!
Mit ihrem
Debüt "Real Life" hat Joan Wasser aka Joan As Police Woman der
Musikwelt vor zwei Jahren eines der aufregendsten Alben beschert.
"Beauty is the new punk rock", verkündete sie einst und kreierte
einen stürmischen Mix aus Soul, Jazz, Klassik und Indie. Ihren
pianogeführten Songs setzt sie mit verführerischem und
melancholischem Gesang die Krone auf.
Ihr zweites
Album "To Survive" knüpft an den Erstling an, verzichtet aber auf
die Punk-Attitüde. Wasser schlägt mit unaufgeregten
Melodiebögen weitgehend dunklere und kontemplativere Töne an.
Intime Nachtstücke, Chamber-Pop zwischen Soul und Klassikanleihen,
mit Lyrics, die grundsätzliche Themen wie Liebe, Verlust und
Begehren abhandeln, ohne sich jemals in Trostlosigkeit zu verlieren.
Atmosphärisch
bewegt sich Joan As Police Woman zwischen dem Popverständnis einer
Regina Spektor und der Schwermütigkeit einer Emily Haines.
Bezüglich des Gesangs lassen sich als lose
Referenzgrößen Roberta Flack, Nina Simone oder Feist
anführen.
Mit dem neuen Album "THE DEEP FIELD" (VÖ Jan.2011) beehrt uns Joan ein weiteres mal in unserer Stadt.
Joan erklärt, "The Deep Field" sei ihr persönlichstes, beeindruckendstes und "the most open, joyous record".
Die Arbeiten an dem Album begannen bereits im März 2010 im Trout
Studio in Brooklyn. Unterstützung bekam die Soul-Sängerin
dabei von "friend and collaborator in sound" Bryce Goggin.
VVK 15.- €* AK 18.- € *zzgl. Vvkgeb.
TICKETS Koka 36
Joan As Police Woman im Astra Kulturhaus
Heisses Wasser: Der Soul-Rock der 40-jährigen New Yorkerin ist so aufregend wie noch nie.
Kein
Zweifel: Jetzt, hier, heute und mit 40 Jahren befindet sich Joan Wasser
auf dem Höhepunkt ihres künstlerischen Schaffens. "The Deep
Field", das gerade veröffentlichte dritte Album unter dem Namen
Joan As Police Woman, ist ihr bestes. Alles fühlt sich so an, als
sei die Sängerin und ausgebildete Violinistin endlich da, wo sie
immer hin wollte. Der ganze Avantgarde-Performance-Tick, der sie zur
gefragten Mietmusikerin für Sheryl Crow, Rufus Wainwright oder
Antony Hegarty werden ließ, die Folgen der
Punk-Rock-Sozialisation und die kleinen Umwege, die man so macht
– das alles spielt keine große Rolle mehr. Stattdessen geht
Joan voll zur Sache, was man schon an den Worten "I want you to fall in
love with me" erkennt, mit denen sie das Album eröffnet.
Solche
klaren Ansprachen kannte man sonst von einem Al Green oder einer Nina
Simone, von denen Joan schon immer begeistert war. Jetzt traut sie sich
auch richtig an sie heran. An allen Ecken und Enden von "The Deep
Field" knistert es, wird es erotisch und spürt man die Tiefe, die
entsteht, wenn man dem Soul auf der Spur ist. Von dem neuen
Selbstbewusstsein der New Yorkerin war unlängst auch etwas bei
einem kurzen Solokonzert im Bassy zu spüren. Eigentlich hatte sie
ja genug damit zu tun, Piano und Gitarre zu spielen, aber das hautenge
schwarze Lederkostüm musste dann doch sein. Jeder soll sehen: Der
Frau ist es ernst. In jeder Hinsicht.
[Thomas Weiland]
Samstag, 26. Februar 2011
Eine Joni Mitchell in Leder
Es
war der entschieden einsame Klavierakkord, der, drei Takte nachhallend,
die Kraft und Autorität der Songschreiberin Joan Wasser deutlich
machte. Mit diesem Akkord, ihrer ausgereiften Altstimme und dem
grandiosen Album "To Survive" trat sie vor knapp drei Jahren ins
Rampenlicht.
Eine drahtige
Amerikanerin mit einem Gesicht wie ein Adler und einer funkelnden Vita
(Geigerin im Boston Symphony Orchestra, zeitweise Mitglied bei Antony
& The Johnsons und in Rufus Wainwrights Band, Ex-Freundin des
verstorbenen Jeff Buckley), stieg sie vom Flüstertipp zum
Feuilletonthema auf. Alle wollen sie sehen. Das Konzert am Sonntag in
Berlin musste vom Kreuzberger Lido Club ins größere Astra
Kulturhaus verlegt werden.
Dabei ist "The
Deep Field", das neue, dritte Album von Joan As Police Woman deutlich
weniger magisch, weniger karg und kunstvoll. Eher wie Carly Simon. Oder
Carole King. Oder, tja, wie Sheryl Crow. Die wäre vermutlich
überglücklich mit perfekten Songs wie sie Joan Wasser
schreibt - über die perfekten, mainstreamkompatiblen Arrangements
sowieso. Was ist passiert? Joan Wasser hat sich vom Kammerpop ihrer
Vergangenheit und ihres Umfeldes befreit, weitgehend untheatralisch und
fröhlich klingt das, selbstbewusst, süffig und üppig
instrumentiert. Radiotauglich. Aber unter der Klangfülle leben
nach wie vor brillante Songs. Werden sie von ihren Arrangements
entschlackt, wie bei Joan Wassers kleinen Soloprivatvorabkonzert im
intimen Bassy Club in Prenzlauer Berg vor vier Wochen, dann zeigen sich
wundervoll melodische Gerippe. Dann drängt sich auch wieder der
Verweis auf Joni Mitchell auf, deren Tochter sie sein könnte.
Dabei ist Joan Wasser heute weit entfernt von der glockenhellen
Kopfstimmakrobatik und hauchzarten Sommerblumenkleidästhetik der
berühmten Songwriter-Ikone. Joan Wasser trägt Leder,
zumindest an jenem Abend in Prenzlauer Berg, schwarz wie ihr Haar und
zusammengehalten einzig von einem durchgehenden Reißverschluss.
Und - Joan Wassers Zunge reicht bis unters Kinn (ok, es war nicht zu
recherchieren, wie weit Joni Mitchells Zunge reicht, aber Leder
trägt sie definitiv nur mit Fransen dran). Dennoch trennt beide
Künstlerinnen weniger, als sie verbindet - schließlich war
das Blümchenkleid der Ledercatsuit der Woodstock-Generation.
Sexuell aufgeladen und selbstbestimmt wie viele ihrer Songs. Was Joni
Mitchell andeutet und verklausuliert, spricht Joan Wasser auf "Run For
Love" und "Chemmie" aus. Hier geht es ziemlich explizit um das, was ihr
beim Sex Spaß macht - eingebettet in hochausgefeilte, elegante
Musik, gesungen von einer tiefen, seelenvollen Stimme.
Die
zunächst irritierende Glätte des neuen Albums verbirgt eine
sich erst nach und nach erschließende musikalische
Komplexität. Eine sensationelle Leichtigkeit umgibt Joan Wasser
und ihre Kompositionen, da ist nichts Schweres, keine Anstrengung,
nicht in ihren raffinierten Harmoniewechseln, nicht in ihrem
dramatischen Pianissimo, wenn sie nur noch wispert und die Klänge
im Raum verwehen lässt, das Gesicht scheinbar schmerzverzerrt -
aber, Irrtum, sie giggelt und macht plötzlich einen Scherz.
Aufsässige Tochter
In "I Was
Everyone", dem furiosen Finale ihres neuen Albums lässt Joan
Wasser ihren Vater sprechen: Girl, you are the chosen one
(Mädchen, du bist die Auserwählte), sagt er und tauft sie
Joan - in Erinnerung an Jeanne d'Arc, dem gepanzerten Urbild weiblicher
Selbstbestimmung. Fast flehendlich antwortet die Tochter, 580 Jahre
nach dem Tod ihrer Namespatronin: I know everyone wants to be
remembered (Ich weiß, jeder will erinnert werden). Und, ganz
sicher, sie grinst angesichts der Monstrosität der
väterlichen Erwartung. Die Dramatik hat etwas Komisches, fast
Slapstickhaftes. Und die Band scheint am Ende dieses jedes Singleformat
sprengenden Songs tatsächlich über die eigenen Beine zu
stolpern. Von ganz fern weht da auch wieder Joni Mitchell herein. In
deren "Let The Wind Carry Me" nimmt der Vater die aufsässige,
zuviel Lidschatten auftragende Tochter gegen ihre frustrierte Mutter in
Schutz: Leave the girl alone, she's looking like a movie-queen (lass
das Mädchen in Ruhe, sie sieht wie ein Filmstar aus).
Das war 1972,
die Konflikte und Ratschläge andere, aber der Vater ähnlich
anspruchsvoll im Bestaunen seiner sich emanzipierenden Tochter. Joni
Mitchell darf man sich allerdings nicht grinsend, man muss sie sich
weise lächelnd vorstellen. Und gestolpert ist ihre Band leider nie.
[Sebastian Zabel]
Astra Kulturhaus, Revaler Straße 99, Friedrichshain. Konzert von Joan As Police Woman am 27. Februar, 20 Uhr.
