Mittwoch, 27. April, 20:00 Uhr, Admiralspalast | Berlin - Mitte
Ron Sexsmith
Ron Sexsmith, der kanadische Songwriter und Folk Sänger, scheint
ein zurückhaltender und schüchterner Mann zu sein. Auf den
Covern seiner Platten wirkt er stets in Gedanken versunken und traurig.
Großer Rummel um sich und seine Musik liegen ihm fern. Er beginnt
seine Karriere Ende der Achtziger in den Kneipen und Nachtclubs
Ontarios. Um seinen Lebensunterhalt verdienen zu können
schlägt er sich mit
Gelegenheitsjobs als Botenjunge durch. Irgendwann beginnt er, eher
nebenbei, Songs für andere Künstler zu schreiben. Einer
dieser Künstler ist so angetan von seinen Diensten das er ihm
einen Plattenvertrag anbietet. Wenig später erscheint Ron Sexsmith
gleichnamiges Debütabum.
Ein melodisches Folkpop-Abum mit wärmenden Gesang und
untermalender Begleitung auf der Gitarre. Simpel, eingängig,
einfach gut. Dieser Mischung ist er auch auf den folgenden Alben treu
geblieben.
Er selbst mag kein auffälliger Typ sein. Aber seine Fans sind es:
Paul McCartney gehört dazu, ebenso Elton John und Elvis Costello.
Für sein Album „Cobblestone Runway“ sang Sexsmith mit
Coldplay Frontmann Chris Martin den Song „Gold In Them
Hills“ im Duett.
Ron Sexsmith überzeugt durch großartige Musik, sowohl als
eigenständiger Künstler als auch in seiner Rolle als
Songwriter für andere Künstler. Von den Sechzigern und
Siebzigern inspiriert, ohne dabei altbacken zu wirken, mischt er
folkiges Gitarrenspiel mit poppigen Rhythmen, eingängigen
Klaviermelodien und seiner unverkennbaren, melancholischen Stimme.
Am 27. April um 20 Uhr kommt er in den Berliner Admiralspalast, um sein
neues Album „Long Player Late Bloomer“ vorzustellen und
alle zu verzaubern, ganz einfach.

Donnerstag, 21. April 2011
Spätblüher
Spreeradio-Moderator Jochen Trus empfiehlt Ron Sexsmith
Zum Anschauen: Paul McCartney hat ihn erst zum gemeinsamen
Frühstück und später dann zum Musizieren eingeladen.
Chris Martin von Coldplay bezeichnet ihn als einen der besten
Songschreiber unserer Zeit und Elvis Costello ist regelrecht vernarrt
in den Mann und seine Musik. Trotzdem, wer den Kanadier Ron Sexsmith
und seine Musik nicht kennt, gehört zur großen Mehrheit.
Seit gut 15 Jahren schlägt sich der Mann mit dem
Geheimtipp-Stempel rum. Mittlerweile ist er 46 Jahre alt, sieht immer
ein bisschen traurig und verloren aus, trägt auf der Bühne
meist eine Blume im Knopfloch und seine hinreißend schönen
Americana-Songs sind so gut, dass Sie den Mann unbedingt kennenlernen
sollten. Am Mittwoch im Admiralspalast.
Zum Anhören: Sein Debütalbum "Ron Sexsmith" erwarb ich 1995
in einem Plattenladen namens Sound Exchange in Houston/Texas eher
zufällig. Der Longplayer mit seinen leichten, schwebenden,
sehnsüchtigen Songs gehört bis heute zu meinen liebsten
Americana-Alben. Das neuste Werk von Ron Sexsmith heißt "Long
Player Late Bloomer", ist ungewöhnlich voluminös im
Country-Rock-Sound produziert, wohl mit der Absicht endlich Airplay in
nennenswertem Umfang bei den großen US-Rockradiosendern zu
bekommen. Verdient hätte Sexsmith das schon seit vielen Jahren.
[Jochen Trus]

26.04.2011
Ron Sexsmith im Admiralspalast
Schmollen als Chance
Der kanadische Songwriter Ron Sexsmith ist ein Meister der Melancholie. Am Mittwoch spielt er im Studio des Admiralspalastes.
Vielleicht geht’s ihm einfach zu gut. So fröhlich, vor
lauter Harmonie fast schon kitschig poppig wie auf seinem neuen Album
kennt man Ron Sexsmith eigentlich gar nicht. Sollte sich der kanadische
Sänger und Songschreiber mit seiner zwölften CD „Long
Player Late Bloomer“ endgültig vom melancholischen
Trauerkloß zum Gutelaunebär gewandelt haben?
Beim zweiten Hören dann der typische Sexsmith-Effekt: Die Texte
sind bitter wie eh und je, handeln von Einsamkeit, unglücklicher
Liebe oder verletztem Stolz. Nur hat man’s beim ersten Hören
vor lauter scheinbarer Unbekümmertheit gar nicht gemerkt. Der
Kanadier, der für seine sensiblen Songs von Kollegen wie Paul
McCartney und Elton John verehrt wird, hat ganz offensichtlich seine
Fähigkeit weiter perfektioniert, traurige Geschichten als
melodiöse Ohrwürmer zu servieren.
Diesen Mittwoch wird er seine neuen Stücke im Studio des
Admiralspalastes vorstellen. „Get in Line“ zum Beispiel,
einer dieser typischen Sexsmith- Songs, bei denen der Weltschmerz mit
einer Prise Ironie gewürzt wird, erzählt davon, dass vor
seiner Haustür eine lange Schlange von Leuten darauf wartet, ihm
zu erzählen, was er in seinem Leben alles falsch gemacht hat. Und
in „Michael and his Dad“ singt Sexsmith von einem
alleinerziehenden Vater, der in einer kalten Kellerwohnung mit seinem
Sohn lebt und ihm außer Liebe nicht viel bieten kann –
inspiriert von eigenen Erfahrungen in Toronto, wo er aus einer
kanadischen Kleinstadt hinzog, als sein Sohn zwei Jahre alt war.
„Als ich Mitte 20 war und keine Ahnung hatte, ob ich mit meiner
Musik je eine Familie ernähren kann, war das sehr
frustrierend“, erzählte er dem Tagesspiegel vor einiger Zeit
beim Interview in Berlin. Inzwischen ist Sexsmith, dessen Vorfahren
britische Kanadier sowie indianische Ureinwohner waren, 47 und kann die
Familie ohne Probleme ernähren, auch wenn ihm der große
kommerzielle Durchbruch bislang verwehrt blieb.
Den Ruf des Musician’s musician, der vor allem bei Kollegen
beliebt ist, wurde er bislang trotz mancher Hits wie der Ballade
„Gold In Them Hills“ nicht los. Vielleicht liegt’s
daran, dass das, was er macht, eben nur beim ersten Hören
Wohlfühlmusik ist. „In den Liedern kann ich Rache für
alles nehmen, was mich ärgert“, sagt er. Er habe zwar immer
wieder auch gut gelaunte Songs und Liebeslieder geschrieben. Aber der
rote Faden bei seinem aktuellen Werk sei das Thema der
Enttäuschungen – wobei die beschwingt klingende Musik als
Kontrastmittel fungiert. „Humor ist eine gute Verpackung für
traurige Gefühle“, sagt Sexsmith. Beim persönlichen
Gespräch gibt er allerdings wenig von seinem Innenleben preis. Er
erscheint freundlich, umgänglich, aber auch etwas zugeknöpft.
„Ich bin kein besonders emotionaler Typ – außer in
meinen Liedern“, sagt er. Wenn er sich nicht sicher ist, wie viel
dunkle Gedanken er seinem Publikum zumuten kann, schickt Sexsmith die
Songs schon mal vorab an Kollegen wie Elvis Costello. Als der ihm
sagte, die Lieder seien für ihn trotz der traurigen Texte
aufmunternd, war Sexsmith zufrieden.
Bei seinen Konzerten kann es übrigens passieren, dass ihm ab und
an mal ein Lächeln übers Gesicht huscht. Das geht aber meist
schnell vorbei.
[Lars von Törne]