27.04. 20:00 h (MI)

Ron Sexsmith
»Long Player Late Bloomer«

Im AP Studio

Ron Sexsmith überzeugt vor allem durch großartige Musik: Sowohl als eigenständiger Künstler als auch in seiner Rolle als Songwriter für andere Größen des Musikgeschäfts. So steuerte er zum letzten Feist-Album gleich zwei Songs bei.

Von den Sechzigern und Siebzigern inspiriert, mischt der Kanadier folkiges Gitarrenspiel mit poppigen Rhythmen, eingängigen Klaviermelodien und seiner unverkennbaren melancholischen Stimme – ohne dabei altbacken zu wirken.

Zu seinen bekennenden Fans zählen neben Elton John und Rod Stewart auch Radiohead, Paul McCartney und Bill Frisell.
Letzterer war es auch, der Ron Sexsmith 2004 zu der von ihm kuratierten Reihe „Century Of Song“ bei der RuhrTriennale einlud.

„Long Player Late Bloomer“ lautet der Titel des neuen Sexsmith-Album, das am 28.02.2011 veröffentlicht wird.
Dass die Wahl des Produzenten diesmal auf Bob Rock fiel, ist ebenso verwunderlich wie viel versprechend, schließlich zeichnete Rock zuletzt für die Alben von Metallica und Michael Bublé verantwortlich …





Mittwoch, 27. April, 20:00 Uhr, Admiralspalast | Berlin - Mitte

Ron Sexsmith

Ron Sexsmith, der kanadische Songwriter und Folk Sänger, scheint ein zurückhaltender und schüchterner Mann zu sein. Auf den Covern seiner Platten wirkt er stets in Gedanken versunken und traurig. Großer Rummel um sich und seine Musik liegen ihm fern. Er beginnt seine Karriere Ende der Achtziger in den Kneipen und Nachtclubs Ontarios. Um seinen Lebensunterhalt verdienen zu können schlägt er sich mit
Gelegenheitsjobs als Botenjunge durch. Irgendwann beginnt er, eher nebenbei, Songs für andere Künstler zu schreiben. Einer dieser Künstler ist so angetan von seinen Diensten das er ihm einen Plattenvertrag anbietet. Wenig später erscheint Ron Sexsmith gleichnamiges Debütabum.

Ein melodisches Folkpop-Abum mit wärmenden Gesang und untermalender Begleitung auf der Gitarre. Simpel, eingängig, einfach gut. Dieser Mischung ist er auch auf den folgenden Alben treu geblieben.

Er selbst mag kein auffälliger Typ sein. Aber seine Fans sind es: Paul McCartney gehört dazu, ebenso Elton John und Elvis Costello. Für sein Album „Cobblestone Runway“ sang Sexsmith mit Coldplay Frontmann Chris Martin den Song „Gold In Them Hills“ im Duett.

Ron Sexsmith überzeugt durch großartige Musik, sowohl als eigenständiger Künstler als auch in seiner Rolle als Songwriter für andere Künstler. Von den Sechzigern und Siebzigern inspiriert, ohne dabei altbacken zu wirken, mischt er folkiges Gitarrenspiel mit poppigen Rhythmen, eingängigen Klaviermelodien und seiner unverkennbaren, melancholischen Stimme.

Am 27. April um 20 Uhr kommt er in den Berliner Admiralspalast, um sein neues Album „Long Player Late Bloomer“ vorzustellen und alle zu verzaubern, ganz einfach.



Donnerstag, 21. April 2011

Spätblüher

Spreeradio-Moderator Jochen Trus empfiehlt Ron Sexsmith

Zum Anschauen: Paul McCartney hat ihn erst zum gemeinsamen Frühstück und später dann zum Musizieren eingeladen. Chris Martin von Coldplay bezeichnet ihn als einen der besten Songschreiber unserer Zeit und Elvis Costello ist regelrecht vernarrt in den Mann und seine Musik. Trotzdem, wer den Kanadier Ron Sexsmith und seine Musik nicht kennt, gehört zur großen Mehrheit. Seit gut 15 Jahren schlägt sich der Mann mit dem Geheimtipp-Stempel rum. Mittlerweile ist er 46 Jahre alt, sieht immer ein bisschen traurig und verloren aus, trägt auf der Bühne meist eine Blume im Knopfloch und seine hinreißend schönen Americana-Songs sind so gut, dass Sie den Mann unbedingt kennenlernen sollten. Am Mittwoch im Admiralspalast.

Zum Anhören: Sein Debütalbum "Ron Sexsmith" erwarb ich 1995 in einem Plattenladen namens Sound Exchange in Houston/Texas eher zufällig. Der Longplayer mit seinen leichten, schwebenden, sehnsüchtigen Songs gehört bis heute zu meinen liebsten Americana-Alben. Das neuste Werk von Ron Sexsmith heißt "Long Player Late Bloomer", ist ungewöhnlich voluminös im Country-Rock-Sound produziert, wohl mit der Absicht endlich Airplay in nennenswertem Umfang bei den großen US-Rockradiosendern zu bekommen. Verdient hätte Sexsmith das schon seit vielen Jahren.
[Jochen Trus]



26.04.2011

Ron Sexsmith im Admiralspalast
Schmollen als Chance

Der kanadische Songwriter Ron Sexsmith ist ein Meister der Melancholie. Am Mittwoch spielt er im Studio des Admiralspalastes.

Vielleicht geht’s ihm einfach zu gut. So fröhlich, vor lauter Harmonie fast schon kitschig poppig wie auf seinem neuen Album kennt man Ron Sexsmith eigentlich gar nicht. Sollte sich der kanadische Sänger und Songschreiber mit seiner zwölften CD „Long Player Late Bloomer“ endgültig vom melancholischen Trauerkloß zum Gutelaunebär gewandelt haben?

Beim zweiten Hören dann der typische Sexsmith-Effekt: Die Texte sind bitter wie eh und je, handeln von Einsamkeit, unglücklicher Liebe oder verletztem Stolz. Nur hat man’s beim ersten Hören vor lauter scheinbarer Unbekümmertheit gar nicht gemerkt. Der Kanadier, der für seine sensiblen Songs von Kollegen wie Paul McCartney und Elton John verehrt wird, hat ganz offensichtlich seine Fähigkeit weiter perfektioniert, traurige Geschichten als melodiöse Ohrwürmer zu servieren.

Diesen Mittwoch wird er seine neuen Stücke im Studio des Admiralspalastes vorstellen. „Get in Line“ zum Beispiel, einer dieser typischen Sexsmith- Songs, bei denen der Weltschmerz mit einer Prise Ironie gewürzt wird, erzählt davon, dass vor seiner Haustür eine lange Schlange von Leuten darauf wartet, ihm zu erzählen, was er in seinem Leben alles falsch gemacht hat. Und in „Michael and his Dad“ singt Sexsmith von einem alleinerziehenden Vater, der in einer kalten Kellerwohnung mit seinem Sohn lebt und ihm außer Liebe nicht viel bieten kann – inspiriert von eigenen Erfahrungen in Toronto, wo er aus einer kanadischen Kleinstadt hinzog, als sein Sohn zwei Jahre alt war. „Als ich Mitte 20 war und keine Ahnung hatte, ob ich mit meiner Musik je eine Familie ernähren kann, war das sehr frustrierend“, erzählte er dem Tagesspiegel vor einiger Zeit beim Interview in Berlin. Inzwischen ist Sexsmith, dessen Vorfahren britische Kanadier sowie indianische Ureinwohner waren, 47 und kann die Familie ohne Probleme ernähren, auch wenn ihm der große kommerzielle Durchbruch bislang verwehrt blieb.

Den Ruf des Musician’s musician, der vor allem bei Kollegen beliebt ist, wurde er bislang trotz mancher Hits wie der Ballade „Gold In Them Hills“ nicht los. Vielleicht liegt’s daran, dass das, was er macht, eben nur beim ersten Hören Wohlfühlmusik ist. „In den Liedern kann ich Rache für alles nehmen, was mich ärgert“, sagt er. Er habe zwar immer wieder auch gut gelaunte Songs und Liebeslieder geschrieben. Aber der rote Faden bei seinem aktuellen Werk sei das Thema der Enttäuschungen – wobei die beschwingt klingende Musik als Kontrastmittel fungiert. „Humor ist eine gute Verpackung für traurige Gefühle“, sagt Sexsmith. Beim persönlichen Gespräch gibt er allerdings wenig von seinem Innenleben preis. Er erscheint freundlich, umgänglich, aber auch etwas zugeknöpft. „Ich bin kein besonders emotionaler Typ – außer in meinen Liedern“, sagt er. Wenn er sich nicht sicher ist, wie viel dunkle Gedanken er seinem Publikum zumuten kann, schickt Sexsmith die Songs schon mal vorab an Kollegen wie Elvis Costello. Als der ihm sagte, die Lieder seien für ihn trotz der traurigen Texte aufmunternd, war Sexsmith zufrieden.

Bei seinen Konzerten kann es übrigens passieren, dass ihm ab und an mal ein Lächeln übers Gesicht huscht. Das geht aber meist schnell vorbei.
[Lars von Törne]