Freitag, 24. Juni, 21:00 Uhr, ASTRA Kulturhaus | Berlin - Friedrichshain

TV on the Radio

auf "Nine Types of Light"-Tour

Die Band gehört derzeit zu den einflussreichsten Rockgruppen der USA. Ihre Musik ist eine Mischung aus Rock, Elektronik, Gospel und Soul. Mit schroffen, experimentellen Songs und gesellschaftlich engagierten Texten bringen sie das Lebensgefühl des letzten Jahrzehnts zwischen Terror, Wirtschaftskrise und digitaler Revolution auf den Punkt.

Im April 2011 veröffentlichten „TV on the radio“ ihr 5. Studioalbum und stiegen damit wenige Tage später in die Charts ein - für die geplante Album-Tour ein vielversprechender Start. Bassist Gerard Smith musste seine Teilnahme an der „Nine Types of Light“-Tour aus gesundheitlichen Gründen absagen. Wenige Wochen später ist auf der Website seiner Freunde und Bandkollegen zu lesen: "Wir sind sehr traurig, den Tod unseres geliebten Freundes und Bandkollegen bekanntgeben zu müssen, der einen mutigen Kampf gegen den Lungenkrebs gefochten hat. Wir werden ihn schrecklich vermissen."

Nach einigen Konzertausfällen auf der US-Tour verlieren wir nicht die Hoffnung, sie am 24.06. im Berliner Astra zu erleben.

Nähere Infos und Tickets unter www.tvontheradio.com und www.greyzone-concerts.de

weitere Informationen:
rbb Ticketservice - radioeins »
Hotline: 030/61101313
Veranstaltungsort: ASTRA Kulturhaus | Revalerstraße 99 | 10245 Berlin - Friedrichshain
Eintrittspreis: VVK: 20 €, AK: 25 €




23.06.2011

TV On The Radio im Astra Kulturhaus 
Die Band aus New York kann es auch mit Gefühl und Wärme. Trotzdem ist man sich immer irgendwie nicht sicher: Ist man dieser Band wirklich schon auf die Schliche gekommen?

TV On The Radio gelingt es immer wieder, einen eigenen Sound zu schaffen, denn Dave Sitek ist ein schlauer musikalischer Direktor und Produzent. In seinem Kopf spielen sich die tollsten Sachen ab. Manchmal hat man das Gefühl, er wolle zu viel davon abbilden, was am Ende zu großartigem Wust führt. Im Gesang von Tunde Adebimpe steckt Soul, die Geruhsamkeit beim Umgang mit Beats lässt auf TripHop schließen, Jazz-Einfluss macht sich bemerkbar, die Atmosphäre bereitet bisweilen Unbehagen wie im Post-Punk, und viele Klangflächen haben Ähnlichkeit mit psychedelischem Rock

Jetzt gibt es wieder was Neues. Die Vokabel, die beim Hören des neuen Albums "Nine Types of Light" zuerst in den Sinn kommt, heißt Lover’s Rock. Das ist eine in Jamaika gebräuchliche Beschreibung für romantischen Reggae. Man fühlt sich daran allein schon wegen vieler Dub-Basslinien erinnert. Außerdem ist zwischenmenschliche Zuneigung ein wiederkehrendes Thema in den Texten. Damit es nicht zu sehr in diese Richtung geht, werden TV On The Radio zur Abwechslung ab und zu ruppig und orientieren sich an amerikanischen Hardcore-Legenden. Die Band will ihre Rätselhaftigkeit eben partout nicht aufgeben.
[Thomas Weiland]

TV On The Radio, Astra Kulturhaus, Fr 24.6., 21 Uhr, VVK: 24 Euro



Montag, 20. Juni 2011

TV on the Radio
Ein Mann für sehr unterschiedliche Tonarten


Jede musikalische Ära wird auch von ihren Produzenten geprägt. Man denke an Phil Spector und seinen opulenten Sound oder an die Achtziger und die Tricks von Trevor Horn. Wer weiß, wie die Neunziger verlaufen wären, wenn Butch Vig dem Album "Nevermind" von Nirvana nicht diese epochale Wucht verliehen hätte.

Mittlerweile hat sich die Musikwelt verändert, immer mehr Leute entwickeln ihre Songs selbst am Laptop. David Andrew Sitek beweist aber, dass Produzenten nicht ausgestorben sind. Bands wie Yeah Yeah Yeahs, Liars oder Foals, die ihn engagieren, sie kommen, weil sie seine Band TV On The Radio kennen und von deren schwer definierbarer Mischung aus Indie-Rock, Post-Punk, Soul und elektronischer Musik begeistert sind.

Unterhält man sich mit Sitek, spielt er seine Rolle herunter. "Ehrlich gesagt weiß ich nicht wirklich, was ich da tue. Es gibt Bands, die ihre Songs fertig geschrieben haben und gleich loslegen können. Es gibt aber auch welche, die nur über Skizzen verfügen und noch Anreize brauchen. Denen spiele ich Musik vor, die sie in Stimmung bringt. Irgendetwas muss schon von Anfang an vorhanden sein, sonst geht nichts." 2007 wollte Schauspielerin Scarlett Johansson ein Album aufnehmen und Songs von Tom Waits singen. Aber sie brauchte jemanden, der den Plan in die Tat umsetzen kann. Da kam sie auf Sitek, der die richtigen Musiker zusammenrief und für gespenstisch schönen Sound sorgte. "Wir knöpften uns die düsteren Songs von Waits vor, die ungestümen und brutalen, und machten quasi Schlaflieder daraus."

Sitek galt bisher als feste Größe in New York. Dort hat er seine Kontakte aufgebaut, kaum eine Auge zugetan und innerhalb eines Jahres 109 Songs geschrieben, wie er sich erinnert. Diese Zeiten sind vorbei. Nun lebt er in Los Angeles, sein Soloalbum unter dem Namen Maximum Balloon aus dem Vorjahr klingt wesentlich geradliniger und tanzbarer, als man von ihm gewohnt ist.

Trotz der vielen Nebenbeschäftigungen kümmert sich Sitek weiter um TV On The Radio und sorgt dafür, dass diese Band mit kreativer Energie versorgt wird. Vergleicht man das neue Album "Nine Types Of Light" etwa mit "Return To Cookie Mountain" aus dem Jahr 2006, könnte der Unterschied nicht größer sein. Damals spürte man die Wut in der Band. Wut über die politischen Zustände. Jetzt hört sich alles deutlich wärmer und versöhnlicher an. Der Einfluss von Obama und Los Angeles ist spürbar.

Nur: Was passiert, wenn es nicht mehr so gut läuft? "Die Ziele, die ich mir ursprünglich gesteckt hatte, habe ich längst alle erreicht", sagt Sitek, "wenn es hart auf hart kommt, suche ich mir was Neues. Dann werde ich vielleicht Landschaftsgärtner."

TV on the Radio spielen am Freitag im Astra Kulturhaus in der Revalerstrasse 99
[
Michael Hufnagel]