
28. Juli 2011
Auf
der Suche nach dem BLUES
Der Kreis
schließt sich: Robert
Plant kommt mit seiner Band of Joy auf Tournee, sie heißt wie
seine allererste Gruppe aus den Sechzigern
Er konnte es sich nicht verkneifen. Jüngst war Robert Plant in
der
Talkshow von David Letterman zu Gast und sagte: "In den Siebzigern zog
sich jeder Rockstar das T-Shirt aus." Kunstpause. "Nur hatte nicht
jeder dafür den geeigneten Oberkörper." Ein Angeber?
Plant,
63, Lederhose, echte blonde Locken, und ein echtes, seinem Alter
angemessenes Gesicht - zerknautscht, nicht geliftet - kann sich solche
Statements erlauben. Er sah nicht nur damals gut aus, er sieht auch
heute noch toll aus. Aber genug über sein Aussehen. Er singt
ja
noch besser, als er aussieht. Da kann er das Shirt ruhig anbehalten.
1969 erschien das Monumental-Rockwerk "Led Zeppelin". Seitdem hat
Robert Plant nicht allzu viel falsch gemacht. Ob als
Led-Zeppelin-Sänger, später als Teil des Duos Page
and Plant
(das er gemeinsam mit dem Led-Zeppelin-Gitarristen Jimmy Page bildete),
sei es gemeinsam mit der Country-Sängerin Alison Krauss, als
Frontmann des sensationellen Led-Zeppelin-Reunion-Konzerts von 2007 -
oder mit seiner jetzigen Gruppe, die Band of Joy heißt.
Gut, es gab auch eine angestrengt-erotische Phase in den
frühen
Achtzigern ("The Principle of Moments"), in der Plant seinem Image
hinterher hechelte. Er ging damals eben auf das für Musiker
kritische Alter der 40 zu und wechselte die Frisuren.
Aber davon abgesehen gibt es einen roten Faden in Robert Plants
Biografie. Er besteht im Versuch, sich mit wechselnden Partnern dem
Bluesrock zu nähern und dabei immer noch ein
Stückchen weiter
zu wachsen. Plant wirkt darin sehr ruhelos. Er brachte es in den
letzten 17 Jahren auf Veröffentlichungen mit fünf
verschiedenen Musiker-Formationen, setzte auf afrikanische
Klänge
oder Co-Sängerinnen. Seine aktuelle Gruppe heißt
Band of
Joy, im Oktober vergangenen Jahres erschien das erste gemeinsame Album,
mit Anfang sechzig also mal wieder ein Debüt. Band of Joy
nannte
Plant 1965 auch seine erste Gruppe. Heute besteht sie aus anderen
Mitgliedern, darunter Buddy Miller und Darrell Scott. Bluesmusiker, die
sich hinter Plant nicht verstecken müssen.
Im Video zur Single "Angel Dance", einer Coverversion des
Los-Lobos-Stücks, fährt Plant mit dem Auto durch
Chicagos
lateinamerikanisches Viertel La Villita. Er beobachtet durch die
Fensterscheibe Kinder, Pärchen und Musiker. Er steigt nicht
aus,
er fährt weiter. Robert Plant ist immer noch unterwegs.
[
Benjamin Renger]